Auch für Kulturreferent Gabriel Engert ist die Donau-Lust ein voller Erfolg

"Die Schlosslände muss umgestaltet werden"

14.09.2021 | Stand 14.09.2021, 20:12 Uhr
Donau Lust −Foto: Schmatloch

So mancher Ingolstädter stand auf dem Rasen und fragte sich, wo die Straße eigentlich normalerweise verläuft. Und warum auf der Schlosslände Autos fahren müssen, wo sich dort doch so herrlich flanieren oder entspannen lässt. Die Reaktionen vieler Besucher zeigten: Das Experiment Donau-Lust ist geglückt.

Diesen Eindruck hat auch Oberbürgermeister Christian Scharpf: "Die Donau-Lust hat gezeigt, wie nah die Donau an die Menschen und an die Altstadt heranrücken kann. Die Schlosslände muss umgestaltet werden, und ich denke, es ist unstrittig, dass hier Handlungsbedarf besteht", sagt Scharpf. "Von den Konzepten, die seit vielen Jahren in der Schublade liegen, muss jetzt endlich auch einmal tatsächlich etwas umgesetzt werden. Ich werde mich noch diese Woche mit der Stadtbaurätin zusammensetzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen."

Angetan ist auch Kulturreferent Gabriel Engert: "Die Donau-Lust war ein voller Erfolg. Sie hat an der Schlosslände eine entspannte Atmosphäre erzeugt, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern genutzt wurde. Dadurch wurde deutlich gemacht, welche Potenziale an Aufenthaltsqualität im Umfeld der Donau noch zu heben sind." 

Als Ergebnis aus dem Innenstadt-Prozess wurden die Sperrung der Schlosslände für den Verkehr und die temporäre Öffnung für Freizeitaktivitäten umgesetzt: Auf einer Fläche von rund 5000 Quadratmetern wurde Rollrasen ausgelegt und Sand aufgeschüttet. 

Im Rahmen des europäischen Projekts "Blue Green City" erfolgte parallel zur Donau-Lust eine Bürgerbeteiligung zur weiteren Entwicklung des Stadtparks Donau. Über die neue Plattform www.ingolstadt-macht-mit.de wurden über 560 Beiträge eingereicht, die jetzt ausgewertet werden. Was sich bereits abzeichnet: Immer wieder schlugen Ingolstädter die regelmäßige Wiederholung solcher Aktionen vor, bis hin zur dauerhaften Verkehrsberuhigung der Schlosslände.

Ganz bewusst wurde bei der Donau-Lust auf ein durchstrukturiertes Programm verzichtet. Stattdessen bot die Stadt nur die Rahmenbedingungen: Es konnten einige coronakonforme Kunstprojekte umgesetzt werden, es gab ein Musikangebot von lokalen Künstlern und ein vielfältiges und abwechslungsreiches kulinarisches Angebot. Das Beach-Volleyballfeld war nicht nur bei Sportlern sehr beliebt, auch Kinder konnten sich austoben. 

Die Donau-Lust lockte Besucher aller Altersklassen und insbesondere Familien an, die den Ort mit Leben füllten. Beteiligte erzählen, dass ein Miteinander und eine positive, friedliche Stimmung zu spüren waren. Ein Ort müsse also nicht dauerhaft bespielt werden, um angenommen zu werden, heißt es aus dem Rathaus.

Das Team von Kap 94 und Kulturoasis hatte 100 Liegestühle an Besucher ausgegeben, die schnell vergriffen waren. Auch am Ausschank herrschte oft großer Andrang. Die Malmaschine war dicht umlagert, ebenso die als Kugelbahn bespielbare Installation. "Im Wissen um den nahenden Klimakollaps finde ich jede Aktion unterstützenswert, die uns vor Augen führt, wie viel schöner unser Stadtleben sein könnte, wenn weniger Autos und Beton unseren Stadtraum beherrschen und stattdessen Raum für Grünflächen, Menschen und andere Lebewesen geschaffen wird", sagt Paula Gendrisch vom Kunst- und Kulturverein Kap 94. "Manchmal muss man Dinge erst erleben, um ihren Mehrwert zu erkennen." (smr)