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„Wir müssen der Welt immer einen Schritt voraus sein“

11.03.2019 - 14:02

Die Weltpremiere des City-Airbus auf dem Ingolstädter Rathausplatz stieß auf reges Interesse der Bürger

Von Michael Schmatloch

Ingolstadt als Real-Labor für neue Technologien zu etablieren. Das ist es, was Oberbürgermeister Christian Lösel vorschwebt. Und vorschweben ist der treffende Begriff. Denn die Urban-Air-Mobility-Initiative, für die Ingolstadt als Testregion dient, ist eine der zentralen Bemühungen, die Stadt in eine prosperierende Zukunft zu führen, gut und fair bezahlte Arbeitsplätze zu sichern, wie Lösel es am Montag formulierte, als sich der Rathausplatz in ein Testlabor auf Zeit verwandelt hatte. Airbus stelle auf dem Ingolstädter Rathausplatz vor rund 3000 interssierten Bürgern in einer Weltpremiere seinen City-Airbus vor, einen „Demonstrator“ zukünftiger urbaner Mobilität, der demnächst in Manching seine ersten Flugversuche hinter sich bringen wird. Und weil das Thema nicht nur regional von Bedeutung ist, sondern bundes- oder sogar weltweit, waren Verkehrsminister Andreas Scheuer und Digitalministerin Dorothee Bär gekommen, um bei dieser Weltpremiere dabei zu sein. 

Natürlich geht es auch um die Arbeitsplätze der Zukunft. Das betone Christian Lösel immer wieder. Und die aktuelle Krise bei Audi untermauert seinen Satz: „Arbeitsplätze sind keine Selbstverständlichkeit.“ Ingolstadt sein einer der technikaffinsten Standorte Deutschlands. Aber „dass man unsere Produkte weltweit kauft und nicht chinesische oder amerikanische“, das gehe nur mit deutscher Spitzentechnologie, der hinterherzukommen sich der Rest der Welt anstrengen müsse.

Und wie Arbeitsplätze eben keine Selbstverständlichkeit seien, so müsse auch Technologieführerschaft stets auf neue errungen werden. Ingolstadt befinde sich auf dem Weg vom Industriestandort zum High-Tech-Standort, begründete Lösel sein Engagement für alle Themen rund um die Digitalisierung. Ein Engagement, dass ihm am Tag der Weltpremiere auch großes Lob von Ministerin Bär eingebracht hat. 

Es sei nicht selbstverständlich, dass Kommunalpolitiker mit so einer Begeisterung, Leidenschaft bereit seien, einen Schritt weiter zu gehen. Und bei einem von ihr initiierten Innovation Council mit vielen Dax-Unternehmen und anderen großen Konzernen, bei dem Christian Lösel als erster Politiker überhaupt die Möglichkeit hatte zu „pitchen“ (was soviel bedeutet wie seine Konzeption vorzustellen), hätten alle gesagt: „So einen Kommunalpolitiker wollen wir auch.“

Es gehe, so Dorothee Bär, darum, den Wohlstand zu erhalten und nicht tatenlos darauf zu hoffen, dass es immer so weitergehe. Es sei nicht die Stunde der Bedenkenträger, sondern derer, die nach vorne schauen und für die bei Innovationen auch Scheitern eine Option sei. 

Und auch mal scheitern zu dürfen, das muss man wohl auch billigend in Kauf nehmen in einem „Real-Labor rund um Mobilität und smarte Städte“, wie Lösel das Ingolstadt der Zukunft beschreibt. 

Am Donnerstag indes ging es nicht ums Scheitern, sondern mit dem CityAirbus um einen Blick in eine nicht allzu ferne Zukunft. „Heute haben wir dokumentiert, dass wir es können in Deutschland“, meinte denn auch Verkehrsminister Scheuer euphorisch. „Wir haben Mobilität von morgen greifbar gemacht. Als Deutsche müssen wir der Welt immer einen Schritt voraus sein, um den Wohlstand erhalten zu können, den wir uns hart erarbeitet haben.“ Das wiederum gehe nur mit Tempo und Innovation. Und was Airbus präsentierte mit seinem CityAirbus, sei Fortschritt „Made in Germany“ und „vielleicht zum großen Teil in Ingolstadt“. Wohlstand erhalten gehe nur mit Zukunftsthemen.

„Elektrisch angetriebene Luftfahrzeuge sind nicht nur eine neue Alternative für effizienten und emissionsfreien Luftverkehr im städtischen Raum. Wir bauen damit auch ein neues Geschäftsfeld auf, das Technologien und Arbeitsplätze schaffen kann. Unser Ziel ist, dass Bayern und Deutschland hierbei eine führende Rolle spielen“, erläutert Wolfgang Schoder, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Airbus Helicopter mit kurzer bis mittlerer Reichweite, das lokal emissionsfrei fliegen könne und deswegen für den urbanen Einsatz geeignet sei. Für den Transport, für Rettungs- und Notarzteinsätze und eben auch für den Personentransport. Aber auch wenn die sogenannten Flugtaxis schon weitgediehen sind, wie der Prototyp von Airbus belegte, müsse man realistisch blieben: „Das Bild vom fliegenden Auto, das einen Propeller ausfährt und dem Stau durch die entschwindet, ist schon noch Zukunftsmusik.“

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