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Dramatische Szenen am Amtsgericht

05.04.2018 - 13:54

25-jähriger Afghane will sich nach Verurteilung aus dem Fenster stürzen

(ty) So hatte sich die Richterin ihre allererste komplette Verhandlung natürlich kaum vorgestellt. Und auch langjährige Prozessbeobachter, die meinen, in den Räumen des Ingolstädter Amtsgerichts schon viel erlebt zu haben, bekamen eine ungekannte und erwartete Dramatik präsentiert. Nur mit Hilfe von mehreren Personen konnte ein 25-Jähriger davon abgehalten werden, dass er sich nach seiner Verurteilung aus einem Fenster im ersten Stock stürzt.

Der junge Afghane hat nach Überzeugung der Richterin und der Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft eine 13-Jährige in einem Schulbus sexuell belästigt, sie festgehalten und über der Kleidung an der Brust berührt - was er aber vehement zurückweist.

Er habe dem auch noch im Gerichtssaal völlig aufgelösten Mädchen an jenem 13. September 2017 auf der Fahrt durch den Landkreis Eichstätt nur auf die Hand getippt und gefragt, ob bei ihr alles okay sei und ob sie sich in dem voll besetzten Bus auf seinen Platz setzen wolle. Mehr sei nicht passiert. Drei seiner Bekannten und Landsleute bestätigten dem Gericht diese Version mehr oder weniger.

Der Verteidiger beantragte folglich einen Freispruch. Die Richterin ("Die Sachlage ist für mich eindeutig. Die Zeugin ist glaubwürdig") folgte aber dem Antrag der Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 25-Jährigen zu einer Geldstrafe, wie sie auch schon in einem von ihm angefochtenen Strafbefehl verhängt worden war. Diese beläuft sich jetzt auf 80 Tagessätze zu je 10 Euro für den Mitarbeiter einer Reinigungsfirma, also 800 Euro.

Als der junge Mann den Schuldspruch hörte, sprang er unvermittelt und schluchzend auf, eilte auf den Flur zu einem Fenster, öffnete es und wollte sich hinausstürzen. Mehrere Prozessbeteiligte konnten ihn in gemeinsamer Kraftanstrengung aber zurückziehen. Anschließend kümmerten sich schnellstens herbeigeeilte Sanitäter, die Wachtmeister des Amtsgerichts und eine Polizeistreife um den Lebensmüden, der sich für zu unrecht verurteilt hält.

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