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Theater statt Waffen

13.07.2016 - 06:27

Friedensbewegung der Region macht mit einem Straßentheater mobil gegen „offene Propaganda für Kriegseinsätze“

(ty) Die Friedensbewegung der Region und die DFG-VK Ingolstadt veranstalten am kommenden Freitag von 15 bis 18 Uhr ein Straßentheater am Schliffelmarkt in Ingolstadt. Hintergrund der Veranstaltung ist eine Werbeaktion der Bundeswehr in der Innenstadt. Eva Bulling-Schröter und die Linke Ingolstadt unterstützen die Protestaktion in der Fußgängerzone.

„Die Aufwertung und offene Propaganda für Kriegseinsätze der Bundeswehr macht uns große Sorgen. Wir zeigen in einem Straßentheater, welche Ursachen und Gründe es für Kriege gibt“, sagen die Veranstalter der Aktion, „Fluchtursachen und Verelendung der Bevölkerung sind die Folgen. Diplomatie und Aussöhnung zwischen den Völkern sind das Gebot der Stunde.“

„Ausgerechnet im 75. Jahr nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion wirbt die Bundeswehr mit einem Aktionstag in der Ingolstädter Innenstadt für den Beruf des Soldatentums. Ich halte das für unerträglich“, so die Ingolstädter Bundestagsabgeordnete der Linken, Eva Bulling-Schröter, „am Ende dieses furchtbaren Krieges waren 27 Millionen sowjetische Opfer zu beklagen, davon 15 Millionen Zivilisten. Eine Parade von Militärs mit Waffen und schwerem Kriegsgerät, Blaskapellen-Musik und eine Serenade im Schloss sind gerade auch in Zeiten außenpolitischer Spannungen mit Russland das falsche Zeichen, um für eine friedliche Welt einzutreten.“

Wer über die Bundeswehr in Ingolstadt spreche, der müsse auch über die Verbrechen der Wehrmacht sprechen. Truppen aus Bayern, etwa vom Infanterieregiment 727, seien beim Nazi-Überfall auf Polen 1939 an vorderster Front und damit Teil des Vernichtungskrieges mit systematischer Judenerschießungen und Partisanen-Exekutionen gewesen. „Pioniereinheiten aus Bayern jagten 1942 in der Sowjetunion jüdische Männer und Frauen und Partisanen als menschliches Minensuchgerät durch Minenfelder“, so Bulling-Schröter weiter, „Krieg bedeutet immer Entmenschlichung und Brutalisierung. Diese historische Lehre muss den Ingolstädtern in Erinnerung gerufen werden, nicht die Normalisierung des Soldatenberufs und Auslandseinsätze bei Volksfestatmosphäre und Bierzeltstimmung.“

Nie wieder Krieg, an diese Erkenntnis erinnere auch der schmerzliche Tod von vier bayerischen Bundeswehrsoldaten im Afghanistankrieg im Jahr 2010, darunter zwei Gebirgspioniere aus Ingolstadt.